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365 Tage Mülheim     200 Jahre Mülheim   

200 Jahre Mülheim


1605
Bei einer Schlacht zwischen Truppen der Vereinigten Niederlande und des habsburgischen Spanien wird der Kirchenhügel und mit ihm das Dorf Mülheim schwer zerstört.


1607
Am 6. Februar wird der junge Graf Wirich von Daun, Offizier im Heer des Fürsten Moritz von Oranien, bei Sterkrade von spanischen Söldnern ausgeraubt und ermordet.


1644
Graf Wilhelm Wirich lässt Bauarbeiten beginnen, die in vierjähriger Bauzeit die Beschädigungen an Burg Broich beseitigen, die Befestigungen verstärken und die Anlage zu einer barocken Residenz umwandeln.


1657
Der Herrschaft Broich wird das Privileg zugebilligt, jährlich drei Pferdemärkte abzuhalten.


1658
Graf Wilhelm Wirich von Daun zu Falkenstein, Herr zu Broich, stiftet der Lutherischen Gemeinde die Paulikirche an der Delle.


Wilhelm Wirich, Graf von Daun-Falkenstein; um 1660
Bild: Wikipedia



1682
Nach dem Tode des Wilhelm Wirich, des letzten Grafen von Daun-Falkenstein, geht die Herrschaft Broich an die Grafen von Leiningen, die einen Rentmeister zur Verwaltung einsetzen.


1713
Gerhard Tersteegen lässt sich in Mülheim nieder und wirkt bis zu seinem Tode 1764 als Theologe, Prediger und Schriftsteller des reformierten Pietismus.


1729
Mülheim wird als „Städtgen“ bezeichnet - bis 1808 bleibt die Ortschaft noch eine rechtlich unselbständige Siedlung innerhalb der Herrschaft Broich.


1752
In Mülheim wird wieder eine katholische Gemeinde gegründet.


1771
Mit der erstmaligen Verschiffung märkischer Kohle nimmt die Ruhrschifffahrt auch in Mülheim ihren Beginn. Der an der Ruhr entstehende Stapel- und Umschlagplatz wird zum Zentrum der Ruhrschifffahrt und des Kohlehandels.


1780
Durch die Eröffnung der Ruhrschleuse Mülheim wird die Ruhr bis zur Mündung schiffbar. Die Verbindung zum Duisburger Hafen sorgt für eine weitere Steigerung der Ruhrschifffahrt.


1787
Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz besucht auf Schloss Broich ihre Großmutter und Schlossherrin, die hessische Landgräfin Marie Luise. (1791 wiederholt die Prinzessin den Besuch.)


1790
Die seit 1752 auf dem Kirchenhügel bestehende katholische Mission wird zur Pfarrei - damit unterhalten beide Konfessionen erstmals gleichzeitig ein Kirchengebäude in Mülheim.


1796
Die „Mülheimer Zeitung von Kriegs- und Staatssachen“ erhält eine Herausgabekonzession und ab 1797 erscheint die Zeitung zweimal wöchentlich.


1802
Erstmals wird für jeweils freitags ein wöchentlicher Frucht-, Gemüse und Molkereimarkt erlaubt. Der Markt wird bis 1839 südlich der Petrikirche als Straßenmarkt abgehalten.


1808
Die Munizipalität Mülheim entsteht. Zum ersten Mal in der Geschichte ist Mülheim eine selbstständige Gemeinde (nach französischem Recht).


1808
Mathias Stinnes (1790-1875) gründet mit der Hilfe seiner Brüder eine Firma, die sich mit Schifffahrt und Kohlenhandel befasst - der Anfang des Stinnes-Konzerns.


1808
Als erste Mülheimer Gerber- und Lederhändler werden die Brüder Heinrich und Christian Pelzer angeführt, die Anfang 1800 begannen, am Rumbach zu gerben. Den „Vater der Lederindustrie" nannte man Jean Baptiste Coupienne, der aus Belgien kam und die Tochter der Familie Pelzer heiratete. 1808 gründete er nahe der Mündung des Rumbachs an der damaligen Schollenstraße seine Gerberei.


1809
In der Munizipalität Mülheim werden 11.949 Einwohner gezählt.


1811
Johann Dinnendahl lässt sich als „Mechanikus“ in Mülheim nieder und errichtet eine Werkstatt, in der Dampfmaschinen mit einer Leistung von bis zu 40 Pferdestärken hergestellt werden, deren Qualität weit über die Grenzen Mülheims hinaus bekannt sind. In den Jahren 1819 und 1820 gründet Johann Dinnendahl gemeinsam mit seinem Bruder Franz Dinnendahl zusätzlich eine Eisenschmelze. Außerdem träumt er von der Errichtung eines Kokskohlehochofens nach englischem Vorbild, doch dazu fehlt ihm zunächst das nötige Kapital. Gemeinsam mit dem finanzkräftigen Ruhrorter Kaufmann Friedrich Wilhelm Liebrecht beantragt Dinnendahl 1832 die Konzession für zwei Hochöfen mit Koksbetrieb. Einer davon wird später neben der Eisenschmelze in Mülheim errichtet und in Anlehnung an Liebrechts Vornamen Friedrich Wilhelms-Hütte genannt. Erstmals im Ruhrgebiet erfolgt die Roheisenherstellung in einem Kokshochofen.


1813
Napoleons Herrschaft am Rhein und an der Ruhr endet und die Herrschaften Broich und Styrum werden aufgelöst.


1815
In den Gebäuden des ehemaligen Saarner Klosters wird die Königlich Preußische Gewehrfabrik untergebracht, die hier bis 1862 produziert.


1816
Mülheim wird bis 1823 Teil des Landkreis Essen.


1823
Der Landkreis Essen wird aufgelöst. Mülheim wird nun bis 1873 Teil des neu gegründeten Landkreises Duisburg.


1838
Von jetzt an ergänzt eine einklassige höhere Töchterschule die örtliche Schullandschaft.


1842
Das erste Mülheimer Rathaus wird errichtet. Die Mülheimer Sparkasse wird gegründet.


Das alte Rathaus
Bild: Wikipedia



1844
Als erste Ruhrbrücke auf Mülheimer Gebiet wird - an der Ruhrfurt zwischen Broich und Stadtmitte - die Kettenbrücke eröffnet. Sie ist maßgeblich von der Friedrich Wilhelms-Hütte gefertigt und die erste Hängebrücke Deutschlands in Eisenbauweise. Der Fährbetrieb verliert seine Bedeutung und wird eingestellt.


Die Kettenbrücke vor 1905
Bild: Wikipedia



1844
Beginn des Baus eines neuen Hafens unterhalb der Stadt


Stadtansicht um 1840
Bild: Wikipedia



1846
Der Stadtbürgermeisterei wird die Revidierte Städteordnung von 1831 verliehen. Nun ist Mülheim zum ersten Mal in seiner Geschichte Stadt (nach preußischem Recht).


1862
Anschluss Mülheims an das Eisenbahnnetz


1867
Der Mülheimer Kaufmann Wilhelm Schmitz gründet zusammen mit seiner Frau Louise, geborene Scholl, die Firma Wilhelm Schmitz-Scholl; die Keimzelle der Unternehmensgruppe Tengelmann.


1870
Bereits in diesem Jahr ist die Bürgergesellschaft „Mausefalle“, Mülheims älteste Institution in Sachen Mundart, nachgewiesen. Das Mitglied Dr. Otto Andrae beschäftigt sich schon früh wissenschaftlich mit der Mundart, dem Mölmsch Platt. Hermann Finkeldei*, langjähriger „Schriiwer“, kümmert sich um ein Wörterbuch. Aus den Reihen der „Mausefalle“ entsteht 1930 der "Plattdütsche Kringk" mit Rektor Wilhelm Klewer und 1949 der "Mölmsche Kringk" mit Chird Hardering und Fritz Sauerbrey.


Hermann Finkeldei (1893-1989)

* Hermann Finkeldei war ein Mann mit dichterischen Qualitäten. Der "Schwattkop (Schwarzkopf) van Dümpte" schrieb zahlreiche Liedertexte, Gedichte und Geschichten. Er war ein glühender Verehrer der heimischen Mundart, der Stadt und der sie umgebenden Natur. Sein großes Verdienst ist es, dem "Mölmschen Kringk" durch die Bearbeitung des Wörterbuchs eine Art Bestandsaufnahme mölmscher Wörter geschaffen zu haben, die bis heute in Gebrauch ist.



1871
August Thyssen (1842-1926) gründet in der Gemeinde Styrum die Maschinenfabrik Thyssen & Co, die zur Basis einer der größten deutschen Montankonzerne wird.


1876
Die Bahnstrecke Styrum-Kettwig, als untere Ruhrtalbahn der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft, wird eröffnet.


1878
Eppinghofen und Mellinghofen werden eingemeindet.


1887
Die Reformierte und die Lutherische Gemeinde Mülheims schließen sich zur „Großen Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim an der Ruhr“ zusammen. Vorausgegangen war zuvor die Gründung selbstständiger evangelischer Gemeinden in den Stadtteilen Heißen, Styrum und Speldorf.


1893
Der Maler, Graphiker und Bildhauer Otto Pankok wird in Mülheim geboren.


1895
Drei Jahre vor seinem Tod wird Otto von Bismarck zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt.


1897
Die ersten elektrischen Straßenbahnen verkehren in Mülheim.


1904
Mülheim wird kreisfreie Stadt.


1906
Vom Vorsitzenden des Dümptener Turnvereins, Wilhelm Schroer, wird der Verband Mülheimer Turnvereine (VMT) gegründet. Acht Turnvereine, die der Deutschen Turnerschaft angehören, sind Gründungsmitglieder des Verbands.


1907
Auf dem Hingberg wird die Mülheimer Augenklinik errichtet. Grundstück und Gebäude sind eine Schenkung von Dr. Johann Hermann, Wilhelm Leonhard und seiner Frau Margarethe Stinnes an die Stadt.


1908/1909
Auf dem nördlichen Kahlenberg wird der Bismarckturm als Aussichtsturm errichtet. Der Mülheimer Baudezernent Carl Linnemann hatte den Turm entworfen; am 1. April 1909, dem Geburtstag Bismarcks, findet die Einweihung statt.

In der folgenden Zeit dient das Gebäude als Veranstaltungsort für patriotische Feiern und als Aussichtsturm - Erwachsene können ihn für 10 Pfennige, Kinder für 5 Pfennige ersteigen.

Während des Zweiten Weltkrieges ist ein Flakposten auf dem Turm stationiert. Bis 1956 nutzen ihn britische Soldaten als Sendeturm.

In den siebziger Jahren soll die Zeit des Bismarckturmes beendet sein; an seiner Stelle will man Hochhäuser bauen. Aber 94 Prozent (!) der Mülheimer Bevölkerung wollen den Bismarckturm erhalten, wie eine Leserbefragung in einer Lokalzeitung ergibt.


1910
Bau des Stadtbads am östlichen Ruhrufer.


1911/1912
Die Kakao- und Schokoladenfabrik Wissoll nimmt ihren Betrieb auf.


1912
Gründungsjahr des Turn- und Spielvereins Mülheim-Saarn. Seine Geschichte beginnt mit dem Bau der Gemeinschaftsgrundschule am Klostermarkt im selben Jahr.
Die Fertigstellung der Schule, zu der auch ein Turnplatz (heute der Schulhof) und eine Turnhalle gehören, nutzt Martin Gerste, der damalige Leiter des städtischen Amts für Leibesübungen, um die Gründung eines Turnvereins anzuregen. Auf diese Weise wird das Jahr 1912, an beiden Schulportalen als sichtbares Zeichen in Sandstein gemeißelt, zugleich das Gründungsjahr des Vereins.


Der Geburtsort der Turnerschaft Saarn:
Die Schule am Klostermarkt


1915
Das nach Entwürfen des Architekturbüros Pfeifer und Großmann gestaltete neue Rathaus wird nach vierjähriger Planungs- und Bauzeit fertig gestellt.


1920
Menden und Raadt werden eingemeindet.


1926
Auf dem Broicher Ruhrufer wird in diesem Jahr die Stadthalle eröffnet. Errichtet wurde sie nach den Bauplänen der Architekten Hans Großmann und Emil Fahrenkamp und bildet das bauliche Gegenstück zum sechzehn Jahre zuvor errichteten Stadtbad auf dem Ostufer. Schon ab 1926 gastiert das Düsseldorfer Schauspielhaus in der Stadthalle.


1927
Mit der Weißen Flotte wird die regelmäßige Personen-Schifffahrt auf der Ruhr aufgenommen.


1931
Die Landung der „Graf Zeppelin“ auf dem Flughafen Essen/Mülheim wird gefeiert.


1938
In der Reichspogromnacht wird die Synagoge am Viktoriaplatz durch Brandstiftung zerstört.


1941
Der Gasthof „Zum Alten Bahnhof“ in Styrum wird eröffnet. Bis heute wird er von der Familie Heitmann geführt.


1958
Theo Henninghaus beginnt im März des Jahres sein Berufsleben als Obst- und Gemüsehändler auf dem Rathausmarkt.


1960
Die Firmengründer Karl und Theo Albrecht teilen den Aldi-Konzern unter sich auf. Mülheim wird Sitz von Aldi-Süd.


1960
In Mülheim an der Ruhr wird Deutschlands erste Altentagesstätte eröffnet.


1964
Die Hochöfen der Friedrich-Wilhelms-Hütte werden stillgelegt. Mülheim ist die erste Stadt des Ruhrgebiets ohne Hochöfen.


1964
In Mülheim wird die Metro-SB-Großmärkte GmbH gegründet; Keimzelle des späteren Metro-Handelskonzerns.


1966
Die Förderung von Kohle auf der Schachtanlage Rosenblumendelle wird eingestellt. Mülheim ist damit die erste Stadt des Ruhrgebiets ohne Zechen.


1983
Die Eisenbahnfreunde Mülheim an der Ruhr werden gegründet.


1984

Otto Barg

In diesem Jahr startet Otto Barg, damals Baas der "Mausefalle", einen Kurs an der VHS, um sowohl Mausefallemitgliedern als auch anderen Plattfreunden einen Einstieg in Mölmsch Platt zu bieten. Als Lernschrift wird die " Rheinische Dokumenta" eingeführt. Einen Einblick in die Vokabelarbeit bei Otto Barg gibt eine Kladde von Friedrich Wilhelm von Gehlen*.

* Das Vokabelheft des Friedrich Wilhelm von Gehlen:
Otto Barg war Baas der Mausefalle in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Da die Bürgergesellschaft niemanden aufnahm, der nicht "Platt kalle" konnte, bestand ein gewisser Bedarf an Nachhilfe. Barg richtete deshalb an der Volkshochschule einen Mölmsch-Platt-Kurs ein, der nicht nur von künftigen Mausefallebrüdern besucht wurde. Auch die Saarner Walter Ferschen und Wilhelm von Gehlen lernten hier. Aus dieser Zeit stammt auch von Gehlens Vokabelheft, aus dem wir hier einige Beispiele veröffentlichen:
Beispiele "Rheinische Dokumenta"


1985
Im März druckt die Privatbrauerei Mann die Texte des Mülheimer Dichters Horst Borgsmüller auf zwei Millionen Bierdeckel.


1988
Erstmals findet der „Tag der älteren Generation“ statt, der über Freizeit, Pflege, Wohnen und Krankheiten informieren soll.


1992
In Mülheim findet die nordrhein-westfälische Landesgartenschau „Mü-Ga“ statt.


1993
Mülheim beginnt seine Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Kfar Saba.


1994
Die britische Armee verlässt nach 48 Jahren Mülheim.


1998
Nach neunjähriger Bauzeit wird der Ruhrtunnel eröffnet, die U-Stadtbahn-Verbindung vom Hauptbahnhof nach Broich.


2005
In diesem Jahr wird in Mülheim die junge Künstlergruppe „artenoir“ gegründet - in einer Galerie in der Auerstraße. Zu „artenoir“ gehören Hardy Bock, Tizia Diestelkamp, Jan Ehlen, Patrick Farzar, Isabelle Klasen, Stefan Mosebach, Monika Nemet, Sabrina Seppi und Peter Strickmann.